Die Europameisterschaften in Birmingham werde ich mit einem gemischten Gefühl in Erinnerung behalten. Natürlich ist die Enttäuschung darüber da, dass es am Ende nicht für eine Medaille gereicht hat. Gleichzeitig überwiegt mit etwas Abstand vor allem der Stolz auf das, was ich hier geleistet habe.
Schon die Qualifikation war in dieser Saison ein sehr guter und vor allem souveräner Wettkampf. Bis 1,91 Meter blieb ich ohne Fehlversuch und konnte auch diese Höhe direkt im ersten Versuch überspringen. Ein großes Q und damit die direkte Qualifikation für das Finale. Ich war von Anfang an fokussiert, hatte einen guten Rhythmus und konnte genau das abrufen, was ich mir vorgenommen hatte.
Das Finale sollte dann ein ganz anderer Wettkampf werden.
Es war von Beginn an nicht einfach. Ich musste mich in den Wettkampf hineinkämpfen, meinen Rhythmus finden und gleichzeitig mit Schmerzen umgehen. Aber ich wollte performen. Ich wollte diese Chance nutzen und bis zum Ende um jede Höhe kämpfen.
Gerade deshalb bedeutet mir dieser Wettkampf im Nachhinein so viel. Bei 1,88 Meter wurde es im dritten Versuch richtig eng. In diesem Moment ruhig zu bleiben, an mich zu glauben und die Höhe im letzten Versuch doch noch zu überspringen, hat viel Nervenstärke gebraucht.
Und dann kam die Antwort bei 1,92 Meter direkt im ersten Versuch. Ich konnte noch einmal kontern und zeigen, dass ich auch unter schwierigen Bedingungen da bin und kämpfen kann.
Am Ende hat diese Leistung leider nicht ganz für eine Medaille gereicht. Natürlich ist das bitter, denn genau dafür stehe ich im Finale einer Europameisterschaft. Ich möchte mich am Ende auch mit einer Medaille für all die Arbeit belohnen.
Trotzdem nehme ich aus Birmingham vor allem eines mit: Ich habe bis zum Ende gekämpft. Nach einer schwierigen Saison mit vielen Herausforderungen ist es mir gelungen, bei einer Europameisterschaft zwei starke Wettkämpfe abzuliefern. Die souveräne Qualifikation mit 1,91 Meter ohne Fehlversuch und anschließend die 1,92 Meter im Finale sind Leistungen, auf die ich stolz sein kann.
Das war unter den Umständen alles andere als selbstverständlich.
Mit etwas Abstand wird es mir sicherlich leichter fallen, dieses Ergebnis richtig einzuordnen. Im Moment sind es vor allem zwei Gefühle, die nebeneinander stehen. Die Enttäuschung über die verpasste Medaille und gleichzeitig die große Zufriedenheit darüber, was ich trotz aller Schwierigkeiten auf die Bühne bringen konnte.
Ursprünglich hatte ich geplant, nach der Europameisterschaft noch einige Wettkämpfe zu bestreiten und meiner Saison damit vielleicht noch einmal eine ganz andere Richtung zu geben. Nach diesem schwierigen Jahr hatte ich gehofft, in einer Late Season noch einmal richtig angreifen und zeigen zu können, was eigentlich in mir steckt.
Nun habe ich mich entschieden, meine Saison vorzeitig zu beenden. Mein Körper hat mir in den vergangenen Monaten immer wieder Grenzen aufgezeigt und jetzt ist der richtige Zeitpunkt, diese Signale ernst zu nehmen. Der Fokus liegt deshalb auf Regeneration, Gesundheit und darauf, meinem Körper die Zeit zu geben, die er braucht.
Auch wenn das nicht der Abschluss ist, den ich mir für diese Saison gewünscht hätte, blicke ich nach vorne. Ich möchte die Zeit nutzen, um neue Energie zu sammeln, gesund zu werden und die Grundlage dafür zu schaffen, im kommenden Jahr wieder mit voller Stärke zurückzukommen.
Birmingham war nicht das Ende, das ich mir erhofft hatte. Aber es war ein wichtiger Schritt auf meinem Weg. Und manchmal bedeutet Stärke auch, rechtzeitig einen Schritt zurückzugehen, um danach wieder umso stärker nach vorne gehen zu können.






