Es gibt Momente im Sport, die man niemals vergisst. Nicht unbedingt, weil man besonders hoch springt oder einen Wettkampf gewinnt. Sondern weil man weiß, was hinter diesem Moment steckt.
Mein Wettkampf in Lyon war genau so ein Moment.
Nach meiner Verletzung musste ich die Hallensaison vorzeitig beenden. Auch die ersten beiden Wettkämpfe der Sommersaison musste ich absagen. Wochen und Monate, auf die ich mich gefreut hatte, vergingen plötzlich ohne Startnummer und ohne Wettkampf.
Stattdessen bestimmten Arzttermine, Reha-Einheiten und viele Fragezeichen meinen Alltag.
Es gab Tage, an denen ich große Fortschritte gemacht habe. Aber es gab auch Tage voller Zweifel. Tage, an denen ich nicht wusste, wann ich wieder springen kann. Tage, an denen ich mich gefragt habe, ob mein Fuß halten wird, wenn es darauf ankommt. Und je näher der erste Wettkampf rückte, desto größer wurde die Unsicherheit.
Deshalb war die Reise nach Lyon für mich viel mehr als nur der Start in die Sommersaison. Es war die Rückkehr zu dem, was ich so vermisst habe.
Als der Wettkampf begann, war ich glücklich, überhaupt wieder an der Anlage zu stehen. Gleichzeitig wusste ich nicht was passieren wird.
Besonders bei 1,85 m wurde es schwierig. Ich stand am Anlauf und habe ernsthaft darüber nachgedacht aufzuhören. Die Angst vor einer erneuten Verletzung war plötzlich wieder da. Ich war unsicher, ob mein Fuß den Wettkampf wirklich durchstehen würde. In diesem Moment ging es nicht um Höhen oder Platzierungen. Es ging nur darum, ob ich bereit bin wieder zu springen und vertrauen in meinen Körper habe.
Ich habe mich entschieden weiterzumachen.
Und heute bin ich unglaublich froh darüber.
Die letzten Wochen waren ein Wechselbad der Gefühle. Zweifel, Hoffnung, Nervosität, Erleichterung und manchmal alles innerhalb weniger Minuten.
Bei dem Wettkampf wurde mit jedem Sprung das Vertrauen etwas größer. Mit jeder übersprungenen Höhe kam ein Stück Leichtigkeit zurück.
Als ich schließlich die 1,94 m überquerte, fiel eine riesige Last von mir ab.
Nicht nur, weil diese Höhe die Norm für die Europameisterschaften in Birmingham bedeutet. Nicht nur, weil es mein bester Saisoneinstieg überhaupt ist. Sondern vor allem, weil dieser Sprung für mich symbolisiert, dass sich die harte Arbeit der letzten Monate gelohnt hat und ich die richtigen Entscheidungen getroffen habe.
All die Stunden in der Reha. Die Geduld. Die Rückschläge. Die Unsicherheit.
In diesem Moment war plötzlich alles vergessen.
Nach den 1,94 m habe ich mich entschieden, den Wettkampf zu beenden. Ich hatte den Wettkampf gewonnen und wollte meinen Fuß nicht unnötig weiter belasten. So sehr ich das Springen vermisst habe, weiß ich auch, wie wichtig es ist, nach einer langen Verletzung kluge Entscheidungen zu treffen. Mein Ziel ist nicht nur ein guter Wettkampf, mein Ziel ist es, den gesamten Sommer gesund und leistungsfähig zu bleiben.
Wenn ich heute auf Lyon zurückblicke, dann überwiegt vor allem ein Gefühl: Dankbarkeit.
Dankbarkeit für alle Menschen, die mich in dieser schwierigen Zeit unterstützt haben. Dankbarkeit dafür, dass mein Körper mir wieder erlaubt, das zu tun, was ich liebe. Und Dankbarkeit dafür, nach all den Zweifeln endlich wieder sagen zu können:
Ich bin zurück.
Und ich freue mich auf alles, was jetzt kommt.
Der nächste Wettkampf steht bereits vor der Tür. Am Sonntag, den 21. Juni 2026, starte ich beim Springermeeting auf dem Kennedyplatz in Essen. Wettkampfbeginn ist um 14:30 Uhr.
Nach diesem besonderen Einstieg freue ich mich ganz besonders darauf, vor heimischem Publikum zu springen. Vielleicht sehen wir uns dort.





